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Besuch der Kreispolizeibehörde in der Villa ten Hompel

Führungskräfte der Kreispolizeibehörde Steinfurt beschäftigten sich intensiv mit den ausgestellten Dokumenten in der Villa ten Hompel in Münster. Mit dabei war auch der Abteilungsleiter Polizei im Kreis Steinfurt, Jörg Voigt. 
Besuch der Kreispolizeibehörde in der Villa ten Hompel
Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit der Polizei
Martina Feldhaus

Gerechtigkeit, Neutralität, Empathie, Demokratie, Toleranz – dies sind fünf zentrale Werte, die mit zahlreichen anderen in einem bunten Wort-Mosaik auf einer großen Leinwand angezeigt werden. Vor der Leinwand sitzen an diesem Donnerstagmorgen rund 15 Führungskräfte der Kreispolizeibehörde Steinfurt. Die Polizistinnen und Polizisten haben sich in der Villa ten Hompel in Münster eingefunden, um sich mit einem wichtigen Thema auseinanderzusetzen: Den Werten in der Polizeiarbeit – und damit, wie diese Werte während der NS-Zeit uminterpretiert, unterlaufen und vergessen wurden.

Damals Sitz der Ordnungspolizei im Wehrkreis 6


Die Villa ten Hompel ist eine Gedenkstätte für die Verbrechen von Polizei und Verwaltung im Nationalsozialismus. Während dieser Zeit war das Haus am Kaiser-Wilhelm-Ring Sitz der Ordnungspolizei im sogenannten Wehrkreis 6. Der dortige Befehlshaber hatte auf seiner Hierarchieebene rund 200.000 Mann unter sich. Ganz über ihm stand der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, der damals auch Chef der deutschen Polizei war.
Dass die Ordnungspolizei Teil des verbrecherischen NS-Regimes war und tatkräftig mithalf bei der Ausgrenzung, Deportation und Ermordung von Menschen, die nicht zur sogenannten  „Volksgemeinschaft“ gehörten, wurde den Beamtinnen und Beamten aus dem Kreis Steinfurt in der Villa ten Hompel deutlich vor Augen geführt.

Anhand von zahlreichen Text-, Audio- und Bilddokumenten wird dies in der Ausstellung eindrücklich dargestellt.
So wurden nicht nur Juden und andere Angehörige von Minderheiten durch die Polizei kontrolliert und später dann für die Deportationszüge aufgelistet und kategorisiert. Auch wurden in der Villa Wachmannschaften für die Züge und in die Vernichtungslager gestellt. Ebenso waren Polizisten an den Exekutionen von Juden in Osteuropa damals massiv beteiligt.

Intensive Beschäftigung mit Inhalten der Ausstellungsräume


Die Beamtinnen und Beamten der Kreispolizeibehörde – darunter der Abteilungsleiter Polizei, Jörg Voigt – beschäftigten sich ausführlich mit den Themenschwerpunkten in den einzelnen Ausstellungsräumen. Auch die Zeit nach 1945 wird dort thematisiert, wie die Entnazifizierung und der bürokratische Versuch einer „Wiedergutmachung“. Ein Beispiel: Für einen Tag im KZ gab es eine Entschädigung von 5 DM.

In Diskussionsrunden mit historischen Fachkräften, die durch die Villa ten Hompel führten, wurden die Verbrechen in der NS-Zeit eingehend besprochen. Und es wurde klar: Aus der Geschichte zu lernen ist keine überflüssige Floskel. Das Wissen über die Vergangenheit hilft, einen eigenen Wertekompass zu entwickeln.
Sich diesen immer wieder in Erinnerung zu rufen und im Berufsalltag danach zu handeln, das ist der eigene Anspruch der Polizei heute. Durch den Vormittag in der Villa ten Hompel ist das noch mal allen Polizistinnen und Polizisten bewusst geworden. Weitere Besuche in anderen Konstellationen werden folgen.
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